Lebendiger Lernen

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Martin ging in dieser Session vom Bildungsplan 2016 aus und formulierte sein Ziel, Wissen und Lernen lebendiger zu gestalten. Seine These und Beobachtung ist: „Wissen steckt in der Schule fest“ und „Wissen, das wir nicht im Alltag verwenden, kann eigentlich weg.“ An seiner Schule, der freien demokratischen Schule Kapriole, stellt sich die Frage danach, wie und was gelernt wird, sehr deutlich. In Regelschulen müsse diese Frage hingegen auch viel zentraler werden. Für ihn kommt die Relevanz der Frage daraus, dass das Gelernte sehr schnell verlernt wird, wenn es nicht im Alltag verwendet wird. Die Neurowissenschaften sagen außerdem: Dinge, die mich nicht interessieren, lerne ich schlechter.

Ein Beispiel, das Martin anführte, um seine Gedanken zu verdeutlichen ist, dass Schüler_innen ihr mathematisches Wissen selten direkt brauchen. Sie kommen selten in den Modus, etwas zu lernen um damit eines ihrer Probleme zu lösen. Eigentlich müssten die Lehrpersonen aber jede Stunde erklären können, warum die Stunde so statt findet.

Viele Fragen

Nach diesem Impuls von Martin gab es eine angeregte Diskussion, weil diese Fragen viele von uns beschäftigen. Letztlich stellen sich daraus große Frage, ob Bildung z.B. immer einen Zweck haben muss oder ob es immer auch eine musische und zweckfreie Bildung geben muss? Muss das „lebendigere Lernen“ immer einen Lebensweltbezug haben? Muss man aus den Fächern raus denken? Muss man alles Gelernte brauchen? Oder hilft auch Haltung „Damit habe ich mich noch nicht beschäftigt“ und „Das öffnet mir neue Sichtweisen“? Warum machen wir so etwas wie Allgemeinbildung? Für Roxana steckt das in der Ideologie des Bildungssystems drin, das vom Staat bereitgestellt wird.

Miriam verwies auf das Buch von Yuval Noah Harari „21 Lektionen für das 21. Jahrhundert“. Daraus empfiehlt sie das Kapitel „Bildung“. Allgemein wird darin das generationsübergreifende Lernen betont. Einigkeit herrschte darüber, dass das Potential älterer Menschen nicht genutzt werde. Und jüngere Menschen werden auch ausgegrenzt. Die wissenden Erwachsenden grenzen sich demnach von den Kindern und Alten ab. Das ist sehr defizitorientiert.Das zeigt sich u.a. auch in den Schulbüchern. Diese waren früher textlastiger. Heute sind sie sehr stark vorstrukturiert. Das heißt: Neue Schulbücher entmündigen die Lernenden.

Ein weiterer Pfad unserer Diskussion war das Web. Dieses biete die Möglichkeiten, sich mit Menschen zu vernetzen, die Expert_innen sind. Warum trauen wir es Kindern nicht zu, dass sie sich ihre eigenen Expert_innen suchen, dass sie ihr eigenes Persönliches Lernnetzwerk aufbauen? Sie müssten ihre Lust am Entdecken weiterentwickeln können.

Was bedeutet das für die Schule?

Wie kann so etwas wie „Lebendigeres Lernen“ konkret in der Schule aussehen? Dejan schlug ein Präsentationsformat vor, das er „Echt jetzt?“ nennt. Die Schüler_innen können immer Dinge aussuchen und präsentieren, die bei den Zuhörenden einen „Echt jetzt“-Moment auslösen. Eine weitere Idee: Samstags bieten Lehrende einen Raum, in dem sich die SuS frei entwickeln können.

Letztlich kamen wir auf das Thema Schulpflicht zu sprechen. Deutschland ist in der Minderheit der Staaten, die noch auf die Schulpflicht pochen. Andere setzten auf eine „Bildungspflicht“, die freier umgesetzt werden kann. Wie viel Obrigkeit brauchen wir? Wieviel Kultur müssen wir als Staat weitergeben?

Einig waren wir uns auch, dass in Zukunft Fächer gestrichen werden müssen. Wenn sich das System Schule und die einzelnen Lehrpersonen auf diesen Gedanken einließen, würde man vieles heute schon anders denken können: Was muss also der Kanon in der Schule sein? Faust? …?

Martin verwies auf ein Video der Hauke Akademie, in dem dazu aufgefordert wird, herauszufinden, was in dir steckt. Was bedeutet das für schulische Bildung?

 


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